In der Vergangenheit war die Abfrage des Notrufes, an dessen anderer Seite ja meistens ein Laie einen für ihn unbekannten Sachverhalt meldet, der Erfahrung des Disponenten und den Angaben des Anrufers überlassen. Im ungünstigsten Fall wurden Fragen vergessen oder es verging einfach zu viel Zeit damit, überflüssige Dinge zu intensiv konkretisieren zu wollen. Auch das in den Erste-Hilfen-Kursen vermittelte Schema zur Meldung eines Notfalls

WO ist der Notfallort?

WAS ist passiert?

WIEVIELE Verletzte?

WARTEN auf Rückfragen!

kann vom Laien in einer stressigen Situation nicht vollständig reproduziert werden. Die Gesprächsführung muss beim Disponenten der Leitstelle liegen, nur der kann wirklich sagen, welche Informationen wichtig sind.

In den letzten Jahren nun setzt sich zunehmend auch bundesweit in den Leitstellen die Erkenntnis durch, dass eine standardisierte Abfrage den besseren Erreichungsgrad hat. Über immer identische Fragestellungen wird Zeit gespart, wichtige Informationen werden vorrangig abgefragt und die richtigen Fragen werden immer wieder unabhängig vom Disponenten gestellt. In der Leitstelle Nord setzen wir seit August 2010 als eine der ersten Leitstellen deutschlandweit auch die standardisierte Notrufabfrage erfolgreich ein. Zunächst hatten wir diese auf Klapptafeln an jedem Arbeitsplatz liegen, zwischenzeitlich wurde an jedem Arbeitsplatz ein kleiner Monitor installiert, auf dem je nach Lage die entsprechenden Abfragen aufgerufen werden können.

Abbildung 1

In logischer Reihenfolge, die der im Rahmen der EH-Ausbildung vermittelten Meldung ähnlich ist, werden alle wichtigen Informationen durch den Disponenten abgefragt. So gelingt es dem Disponenten z.B. bei medizinischen Notfällen nach nur drei Fragen festzustellen, ob es sich um eine lebensbedrohliche Situation handelt oder nicht. Parallel zur Notrufabfrage kann der Disponent dann Hinweise zur Ersten Hilfe geben oder auch telefonisch eine Herz-Lungen-Wiederbelebung anleiten. Sowohl für die telefonische Erste Hilfe als auch für die Herz-Lungen-Wiederbelebung werden vorgegebene Texte abgerufen und wörtlich abgelesen. So ist garantiert, dass jedem Anrufer die maximal mögliche Unterstützung, immer auf einem gleich hohen Niveau, angeboten werden kann.

Um dieses hohe Niveau auch halten zu können, werden die Notrufe regelmäßig ausgewertet und gemeinsam mit den Disponenten nachbesprochen. Hier wird dann nicht nur aus Fehlern gelernt, vor allem die überwiegend qualitativ hochwertigen Notrufdialoge zeigen sehr deutlich, dass nur über die standardisierte Notrufabfrage und deren kontinuierliches Training durch Anwendung eine solch einheitliche Abfragequalität erreichbar ist.

Aufgrund der qualifizierten Abfrage erkennt der Disponent relativ schnell eine lebensbedrohliche Situation und kann sehr zeitnah z.B. eine telefonische Herz-Lungen-Wiederbelebung anleiten. Auch dieses Verfahren ist standardisiert:

Abbildung 2  Abbildung 3

Bisher wurden durch die Disponenten der Leitstelle Nord von September 2010 bis zum 31.12.2013 rund 500 Reanimationen am Telefon angeleitet. Dabei liegt die Quote der Patienten, die das Krankenhaus in einem lebenswerten Zustand wieder verlassen haben, deutlich höher als im Bundesdurchschnitt. Ein Grund dafür ist sicher auch darin zu suchen, dass sich weder die Standardisierte Notrufabfrage noch die telefonische Wiederbelebung in allen deutschen Leitstellen etabliert haben. Das wäre für die Zukunft sicher wünschenswert. Diese Entwicklung unterstützen wir aktiv, in dem wir bundesweit und in der Schweiz Seminare zu diesem Thema anbieten innerhalb derer wir sowohl unsere technischen Lösungen als auch unsere Erfahrungen und uns daraus gewonnenes Know How zur Verfügung stellen.

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